Linden – vom Dorf zum Industrie-Standort

Bis Anfang des 19. Jahrhunderts war Linden ein Dorf mit zahlreichen Bauernhöfen, einer Schloss-Anlage im Von-Alten-Garten und dem Küchengarten. Die Anfänge der Industrialisierung fallen in die Zeit, als Linden noch zum Königreich Hannover gehörte. Johann Egestorff, der erste bedeutende Lindener Unternehmer, schuf mit der Kalkbrennerei (“Kalkjohann”) auf dem Lindener Berg sowie dem Holz- und Steinkohlehandel die Grundlage für die Industrialisierung. Sein Sohn Georg sicherte die Finanzierung der ersten Maschinenfabrik – der späteren Hanomag – durch die Gewinne der Saline “Egestorffhall”.

Da Wasser und Dampf für die industrielle Entwicklung unverzichtbar waren, entstand nach und nach an der Ihme ein großer Fabrikenkomplex, unter anderem mit der Mechanischen Weberei, der Baumwoll-Spinnerei und Weberei, der Ultramarinfabrik, einer Asphalt- und zwei Gummi-Fabriken und einer Chemischen Fabrik. Wegen der optimalen Standortbedingungen verlegte die Bettfedern- und Daunenfabrik Werner & Ehlers 1890 ihren Sitz von Hannover nach Linden auf das heutige Faust-Gelände.

Linden, das 1885 die Stadtrechte erhalten hatte, gehörte zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den bedeutenden nationalen Industrie-Standorten. Den zahlreichen Arbeitern mangelte es aber an Wohnraum. Gleichzeitig war die Lebenssituation durch große Armut und enorme Arbeitsbelastungen geprägt. Die Lindener Bevölkerung litt unter der zunehmenden Umweltverschmutzung, während sich die Hannoveraner vor allem bei Südwestwind durch die Rauch- und Ruß-Wolken aus Linden belästigt fühlten.

1920 wurde das “rote Linden” zu einem Stadtteil Hannovers. Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war durch Inflation und Massenarbeitslosigkeit bestimmt, und einige der Traditionsfabriken mussten zwischenzeitlich schließen, andere verschwanden ganz. In den 1960er Jahren stellten die meisten Fabriken endgültig ihre Produktion ein. In der Mechanischen Weberei wurden dort, wo heute das Ihme-Zentrum steht, noch bis 1961 industriell Stoffe gefertigt. Als letzte Fabrik des einst so bedeutenden Fabrikengürtels in Linden-Nord meldete die Bettfedernfabrik Werner & Ehlers im August 1990 Konkurs an.

 

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