Die Bettfedernfabrik Werner & Ehlers

1861 gründete der Kaufmann Theodor Wilhelm Werner in Hannover eine Fabrik zur Reinigung und Sortierung von Rohfedern, die 1875 sein Neffe August Werner sen. übernahm. Für die Übersiedlung nach Linden waren 1890 die optimalen Produktionsbedingungen gegenüber dem Zusammenfluss von Leine und Ihme maßgebend, denn für das neu entwickelte Verfahren der Nassreinigung der staubhaltigen Rohfedern wurde sehr viel Wasser benötigt. In Linden-Nord entstand ein für die Zeit der Industrialisierung typisches Fabrik-Areal mit Haupt- und Nebengebäuden, einer Warenannahme sowie dem Maschinen- und dem Kesselhaus.

Die Bettfedern- und Daunenfabrik Werner & Ehlers entwickelte sich bereits Ende des 19. Jahrhunderts zum Branchenführer, unter anderem bedingt durch den Import preiswerter chinesischer Rohfedern. Den Ersten Weltkrieg überstand das Unternehmen relativ unbeschadet, wenn auch mit Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Rohstoffen und Absatzproblemen. Nach dem Krieg stabilisierte sich die Firma trotz der Wirtschaftskrisen der Weimarer Zeit, zum Teil zwar mit erheblichen Umsatzeinbußen, am Ende aber mit Rekordgewinnen.

Nach dem Tod von August Werner jun. übernahm 1932 sein Neffe Werner Frucht den Betrieb. Mit einer Betriebsordnung wurde die “Betriebsgemeinschaft” 1934 auf “nationalsozialistisches und kameradschaftliches Handeln” eingeschworen. 1943 wurde die Fabrik bis auf die Wasseraufbereitung, das Pförtnerhaus und das Kesselhaus durch Bomben weitgehend zerstört.

Nach Kriegsende wurden Teile der Produktion nach Soltau und Osnabrück ausgelagert. Nach dem Wiederaufbau der Fabrik in Linden entwickelte sich Werner & Ehlers schon bald wieder zu einem führenden Unternehmen der Branche. Aber bereits in den 1960er Jahren entstand durch Synthetikware eine Konkurrenz, die letztlich dazu führte, dass viele Bettfedern-Unternehmen aufgeben mussten. 1990 musste auch Werner & Ehlers Konkurs anmelden.

Damit begann die Geschichte der Fabrikumnutzung, die das alte Fabrik-Gelände wieder neu belebt hat. Seit Dezember 1991 befinden sich dort der aus einer Lindener Bürgerinitiative hervorgegangene Verein Faust e.V., der sein Konzept eines soziokulturellen Stadtteilzentrums verwirklicht, und der Ökologische Gewerbehof Linden. Zur Erinnerung an die ehemalige Industriekultur des Ortes wurde eine Straße, die früher über das Fabrikgelände führte, 1997 in “Zur Bettfedernfabrik” umbenannt.

 

weitere Informationen zur Geschichte der Bettfedernfabrik:
www.kulturzentrum-faust.de
www.lebensraum-linden.de